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KI baut Photoshop nach – und was das für uns Kreative bedeutet

Vor wenigen Tagen ist im Netz etwas aufge­taucht, das mich ehrlich gesagt sprachlos gemacht hat: dreizehn kostenlose Programme, darunter Nachbauten von Photoshop, Lightroom, Premiere, Illus­trator und InDesign – also genau der Werkzeuge, mit denen viele von uns jeden Tag arbeiten. Geschrieben wurden sie zum größten Teil nicht von Menschen, sondern von KI-Agenten.
KI-Agenten sind, kurz gesagt, KI-Programme, die nicht nur antworten, sondern selbst­ständig Aufgaben erledigen. In diesem Fall: Software schreiben, testen und verbessern. Als Fotografin und Webde­si­gnerin hat mich das nicht mehr losge­lassen. Was bedeutet so etwas für Fotografen, Designer und alle, die mit ihren Ideen ihr Geld verdienen? In diesem Beitrag ordne ich ein, was passiert ist – und wage danach einen Blick in die Glaskugel.

Photoshop, Lightroom und Premiere – nachgebaut von KI

Hinter dem Projekt steht ArtCraft, ein Team, das eigentlich KI-Werkzeuge für Bild und Video entwi­ckelt. Unter dem Namen ​„Crafting Apps“ hat es die bekannten Programme von Grund auf neu geschrieben: kostenlos, als Open Source – der Programmcode ist also für jeden offen einsehbar – und für Mac, Windows und Linux. Menüs, Werkzeuge und Tasten­kürzel orien­tieren sich bewusst an den Origi­nalen. Wer Photoshop kennt, findet sich sofort zurecht.

Dazu kommen Programme für Textver­ar­beitung, Präsen­ta­tionen, Tabellen, techni­sches Zeichnen und Audio. Alle Apps findest du gesammelt auf der Seite von ArtCraft.

Die KI hat den Großteil geschrieben. Das berichtet Phoronix, eine bekannte englisch­spra­chige Fachseite für Software und Technik. Demnach stammen die Programme überwiegend von KI-Agenten wie Claude Code. Und weil die KI so schnell arbeitet, gab es schon nach wenigen Tagen mehrere neue Versionen.

Erstaunlich weit für eine Woche. Photo­Craft, das Gegen­stück zu Photoshop, öffnet und speichert echte PSD-Dateien samt Ebenen. In einem Test von ArtCraft blieben 134 von 135 Dateien nach dem Öffnen und Speichern unver­ändert. Das berichtet GIGAZINE, ein großes japani­sches Technik­ma­gazin. Das Gegen­stück zu InDesign erstellt sogar schon druck­fertige PDFs mit Beschnitt und Sonder­farben.

Natürlich ist noch nicht alles fertig. Manche Funktionen und Tasten­kürzel fehlen noch, die meisten Apps tragen das Label ​„in Entwicklung“. Kein Wunder: Sie sind erst seit einer Woche öffentlich und werden laufend weiter­ent­wi­ckelt. Für Kunden­pro­jekte würde ich heute noch beim Original bleiben – ein Blick lohnt sich aber jetzt schon.

Die recht­liche Frage bleibt offen: ArtCraft betont, keinen fremden Code verwendet, sondern alles neu geschrieben zu haben. Ob Adobe das hinnimmt, wird sich zeigen.

Was das für uns Kreative bedeutet

Meine Einschätzung lässt sich in einem Satz zusam­men­fassen: Werkzeuge werden billig, Urteils­kraft wird wertvoll. Wenn Software, an der früher Hunderte Entwickler jahrelang gearbeitet haben, plötzlich als Gratis-Alter­native entsteht, verliert das Werkzeug an Wert. Was bleibt, ist das, was kein Programm liefern kann.

Das Abo ist nicht mehr die Eintritts­karte. Lange hat auch die teure Software mitent­schieden, wer profes­sionell gestalten kann. Fällt diese Hürde, drängen mehr Menschen auf den Markt – auch Laien, die sich von KI helfen lassen. Der Wettbewerb wird breiter.

Bald klickt nicht mehr nur der Mensch. Die neuen Programme sind von Anfang an so gebaut, dass KI-Agenten jede Funktion selbst ausführen können. Freisteller, Format­an­pas­sungen oder Serien­ex­porte erledigt dann ein Agent auf Zuruf.

Gefragt ist, was davor und danach passiert. Eine KI kann ein Layout bauen. Aber sie spürt im Gespräch nicht, was ein Kunde eigentlich braucht. Sie lässt sich nicht auf ein Shooting ein und übernimmt keine Verant­wortung für eine Marke. Zuhören, Haltung, Geschmack und Vertrauen werden zum eigent­lichen Produkt.

Wer KI klug einsetzt, gewinnt Zeit. Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir KI nutzen, sondern wofür. Ich selbst arbeite inzwi­schen mit KI-Agenten, um Routi­ne­arbeit abzugeben und mehr Zeit für die Menschen hinter den Projekten zu haben.

Drei Dinge, die du jetzt tun kannst:

Ein Blick in die Glaskugel

Vorweg: Niemand kann die Zukunft vorher­sagen. Deshalb trenne ich hier zwischen dem, was schon passiert, und dem, was meine Fantasie daraus macht.

Was schon passiert – und leicht übersehen wird

Meine Glaskugel – bewusst als Gedan­ken­spiel

Die folgenden Gedanken sind keine Fakten, sondern Möglich­keiten, die ich aus diesen Entwick­lungen ableite:
  1. Software nach Maß. Wenn ganze Programme in kürzester Zeit entstehen, lassen sich Unter­nehmen vielleicht bald ihr eigenes kleines Werkzeug bauen – passgenau statt Standard-Abo.
  2. Die Agentur aus einer Person. Ein Kreativer mit einer Handvoll KI-Agenten könnte leisten, wofür heute ein kleines Team nötig ist. Umso wichtiger würden Netzwerk und persön­liche Bezie­hungen.
  3. „Echt fotogra­fiert“ als Gütesiegel. Wenn KI-Bilder gekenn­zeichnet werden müssen, könnte echte Fotografie mit echten Menschen zum Zeichen von Vertrauen werden.
  4. Der eigene Stil als Kapital. Wer eine unver­wech­selbare Handschrift hat, könnte sie künftig gezielt schützen, lizen­zieren oder mit eigenen KI-Werkzeugen verviel­fäl­tigen.
  5. Websites, die auch Maschinen verstehen. Immer mehr Menschen fragen eine KI statt Google. Eine Website muss deshalb auch für KI verständlich sein – sonst wird sie schlicht nicht empfohlen.

Der Wettlauf der Staaten

Künst­liche Intel­ligenz ist längst eine Macht­frage – und die großen Staaten ringen offen um die Führung.
  • USA: Präsident Trump hat Anfang Oktober 2026 eine eigene Regie­rungs­einheit für KI gegründet. Ihr erklärtes Ziel: Amerika soll bei künst­licher Intel­ligenz weltweit führend bleiben.
  • Kontrolle über KI selbst: Im Juni 2026 hat die US-Regierung zum ersten Mal nicht nur Compu­ter­chips, sondern ein KI-Modell selbst mit Export­be­schrän­kungen belegt – und diese später wieder aufge­hoben.
  • China: Fast zur selben Zeit haben chine­sische Firmen leistungs­starke KI-Modelle frei zugänglich veröf­fent­licht. Die Idee dahinter: Wer seine Technik verschenkt, gewinnt weltweit Nutzer und Einfluss.
  • Europa: Die EU setzt vor allem auf Regeln – etwa die Kennzeich­nungs­pflicht, die ich oben beschrieben habe.
Verein­facht gesagt: Die USA setzen auf Führung und Kontrolle, China auf Verbreitung, Europa auf Regeln. Für uns heißt das ganz praktisch, dass die Werkzeuge, mit denen wir täglich arbeiten, zunehmend von politi­schen Entschei­dungen abhängen – bis hin zu der Frage, ob ein Dienst morgen noch verfügbar ist.

Knechten oder dienen? KI, Weltan­schau­ungen und Religionen

KI wirkt wie ein Verstärker: Sie macht mächtiger, wer sie nutzt – im Guten wie im Schlechten. Ob sie uns knechtet oder dient, entscheidet deshalb weniger die Technik als die Menschen und Regeln dahinter.

Wo KI dienen kann: Wissen und Werkzeuge, die bisher teuer waren, werden für viele erreichbar. Die nachge­bauten Programme sind dafür ein gutes Beispiel – Profi-Software, kostenlos, auf dem eigenen Rechner.

Wo KI gefährlich werden kann: Täuschend echte Bilder und Stimmen können Meinungen lenken. Wer die stärksten Systeme kontrol­liert, kann beein­flussen, welche Infor­ma­tionen wir zu sehen bekommen. Und Automa­ti­sierung kann Menschen ihre Arbeit und ihr Können entwerten.

Auch die Religionen melden sich zu Wort. Papst Leo XIV. hat im Mai 2026 ein ausführ­liches Lehrschreiben zur künst­lichen Intel­ligenz veröf­fent­licht. Seine Kernbot­schaft: Der Mensch muss immer Vorrang vor der Technik haben. Er warnt unter anderem vor manipu­lierten Bildern und davor, dass Menschen durch Automa­ti­sierung ihre Fähig­keiten verlieren. Bemer­kenswert: Auch die neue KI-Einheit der US-Regierung soll ausdrücklich den Austausch mit Religi­ons­ge­mein­schaften suchen.

Ein Gedan­ken­spiel: Ich glaube nicht, dass KI Religionen oder Weltan­schau­ungen abschaffen wird. Wahrschein­licher ist, dass sie – wie jedes Massen­medium vor ihr – in alle Richtungen genutzt wird: von denen, die spalten wollen, ebenso wie von denen, die Verstän­digung suchen, etwa durch Übersetzung in Echtzeit zwischen Sprachen und Kulturen. Mich beschäftigt die Frage, ob die gemeinsame Sorge um die Würde des Menschen am Ende sogar Brücken bauen kann – zwischen Weltan­schau­ungen, die sich sonst eher bekämpfen.

Was mich daran als Kreative besonders berührt: Gerade unsere Arbeit – Bilder, Geschichten, Gestaltung – prägt, was Menschen für wahr halten. Damit tragen wir in dieser Zeit eine besondere Verant­wortung.

Fazit: Staunen, auspro­bieren, Haltung zeigen

Dass KI-Agenten innerhalb einer Woche nachbauen, woran früher ganze Teams jahrelang gearbeitet haben, ist ein echter Einschnitt. Die Werkzeuge werden günstiger und für jeden zugänglich. Was uns Kreative ausmacht, verliert dadurch nicht an Bedeutung – es wird sicht­barer: unser Blick, unser Gespür für Menschen und unsere Verant­wortung für das, was wir in die Welt bringen.

Mein Vorschlag: Lass uns staunen, auspro­bieren – und dabei wach bleiben.

Wie siehst du das? Nutzt du KI schon in deiner kreativen Arbeit, oder macht dir die Entwicklung eher Sorgen? Schreib es mir gern oder melde dich direkt bei mir.

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